Porträt Carl Ludwig von Littrow, Fotografie

Die Bestände des Archivs:

  • Die Bestände des Archivs am Institut für Astrophysik sind über Jahrzehnte langsam aber stetig gewachsen. Den Grundstein für das Archiv dürfte im 19. Jahrhundert Carl Ludwig von Littrow gelegt haben, als er den Teilnachlass von Maximilian Hell ankaufte. Durch seinen Vater, Johann Joseph von Littrow, gelangte das Manuskript von „Littrows Geschichte der Astronomie“ in den Bestand.
    Der Teilnachlass von Tobias Bürg dürfte nach der Umsiedlung der Sternwarte aus dem 1. Wiener Gemeindebezirk an die Türkenschanze im Besitz der Sternwarte geblieben sein.
    Der „Canon der Finsternisse“ von Theodor Egon Ritter von Oppolzer, ist als ein besonderer Teil der Sammlungen zu verstehen. In diesem 1887 erschienen Werk sind 8.000 Sonnenfinsternisse, sowie 5200 Mondfinsternisse vom Jahre 1207 v. Chr. bis zum Jahre 2162 verzeichnet. Im Besitz des Archivs sind die Originalbände mit den handschriftlichen Korrekturen des Autors.
    Zahlreiche weitere Dokumente und Konvolute runden den Bestand des Archivs ab. Die systematische Aufarbeitung der Sammlungen begann im Jahre 2011 und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
 

 
Porträt Johann Tobias Bürg, Gemälde

Teilnachlässe des Archivs:

  • Der mit Abstand wertvollste, umfangreichste und älteste Teilnachlass, ist der vom Jesuitenpater Maximilian Hell (1720-1792). Hell war der erste Sternwartedirektor in Wien. Im Jahre 1769 unternahm er eine Expedition, auf Einladung des dänischen Königs, zum Venustransit nach Nordnorwegen auf die Insel Wardö. Das Tagebuch der „Reise zum Venustransit“ gab für Carl Ludwig von Littrow den Anlass diesen Nachlass für die Sternwarte in Wien anzukaufen.
    Ein weiterer „Schatz“ im Archiv ist das Manuskript zu „Littrows Geschichte der Astronomie“. Dieses Konvolut wurde durch einen glücklichen Zufall von Jürgen Hamel entdeckt. Es umfasst ca. 850 handschriftliche Seiten nebst einer umfangreichen Sammlung von Kurzbiographien.
    Weitere Teilnachlässe im Archiv des Instituts für Astrophysik: Johann Tobias Bürg (1766-1834), Theodor Ritter von Oppolzer (1841-1886), Kasimir Romuald Graff (1878-1950), Hanns Hörbiger (1860-1931) und Bruno Thüring (1905-1989).
 

 
Astrographengebäude

Bilder- und Diasammlung:

  • Einer der umfangreichsten Bestände im Archiv des Institutes ist die Fotoplatten und Bildersammlung. Neben vielen historischen Aufnahmen, die an der Universitäts-Sternwarte aufgenommen wurden, beherbergt die Sammlung auch viele zugekaufte Fotoplatten. Diese „Glasplattendias“ dienten vorwiegend für den Unterricht in der Zeit vor Overhead-Projektoren und Beamer.
    Besonders hervorzuheben ist der Bestand an Aufnahmen von Sonnenfinsternissen. Diese, rund um den Globus entstandenen Bilder, gehen bis in die Zeit des 19. Jahrhunderts zurück. Einige davon sind von Astronomen der Universitäts-Sternwarte aufgenommen, die meisten entstanden aber an den großen Observatorien in den USA.
    Die Serie von Kometenbeobachtungen ist fast zur Gänze in Wien aufgenommen. Namhafte Astronomen wie Johann Palisa (1848-1925) und Joseph Rheden (1873-1946) forschten auf diesem Gebiet. Die meisten der Bilder sind auf diese zwei Herren zurückzuführen. Komplettiert wird die Sammlung von zahlreichen Unterrichtsbildern.
 

 
Die große Treppe der Universitätssternwarte

Bau der "Neuen Sternwarte auf der Türkenschanze":

  • Die erste Universitäts-Sternwarte in Wien befand sich am heutigen Ignaz-Seipel-Platz (Akademie der Wissenschaften). Der erste Direktor dieser Sternwarte war der Jesuit Maximilian Hell. Da der astronomische Turm eine Konstruktion aus Holz war, eignete er sich, durch Verkehr und Windlast, nur bedingt zur astronomischen Forschung. Vor allem die Messgenauigkeit litt unter den permanenten Erschütterungen. Der Ruf nach einer neuen Sternwarte wurde laut.
    In den 1870er Jahren kam es zu dem Neubau des heutigen Instituts für Astrophysik. Als Baugrund diente die ehemalige Türkenschanze im heutigen Wiener Bezirk Währing. Die beiden Architekten Fellner & Helmer wurden mit der Planung und dem Bau beauftragt.
    Im Bestand des Archivs sind fast alle Dokumente aus der Bauzeit vorhanden. In einem genau geführten Baujournal-Buch lässt sich der Bau der „Neuen Sternwarte“ Woche für Woche verfolgen.
 

 
Spektralapparat mit elektrischer Beleuchtung der Skala

Sondersammlung: Spektren:

  • In den Jahren 1971-1995 wurden an der Außenstelle des Instituts für Astrophysik, dem Leopold Figl-Observatorium am Mitterschöpfl in Niederösterreich, Spektren zur Klassifikation, Spektralanalyse und Magnetfeldmessungen aufgenommen. Zu diesem Zweck wurde ein eigener Spektrograph der Firma Boller & Chivens angekauft. Mit diesem Cassegrain-Spektrograph erhielt das 1.5m Ritchey-Chretien Teleskop des Leopold Figl-Observatoriums ➚ eine größere Brennweite.
    Im Zeitraum von 24 Jahren wurden über 1000 Aufnahmen von Spektren erstellt. Zur Zeit befinden sich etwa noch 250 Fotoplatten im Bestand des Archivs. Anzunehmen ist, dass Aufgrund des sensiblen Trägermaterials und der geringen Größe der Fotoplatten (ca. 2x1 cm) viele zu Bruch gegangen sind. 3 Bände des Verzeichnisses sind erhalten, doch sollte noch zumindest ein 4. Band vorhanden sein.